Von Raphael Weinelt, Produktmanager bei der hmd-software AG — vielen von euch auch bekannt als „reweraffi" von www.raffirechnet.de

Seit fast 20 Jahren habe ich aktiv mit Buchhaltung und Steuerberatung zu tun. Und schon damals, ganz am Anfang meiner Laufbahn, wurde prophezeit: Die Buchhaltung wird erst outgesourct und später automatisiert — und damit wird diese Dienstleistung als Schwerpunkt der Kanzlei immer weniger im Fokus stehen.

Heute, zwei Jahrzehnte später, kann ich sagen: An dieser Prophezeiung war und ist etwas dran. Aber sie ist anders eingetreten, als viele damals dachten. Die Buchhaltung ist nicht verschwunden — sie verändert sich. Und das Tempo dieser Veränderung hat in den letzten Monaten noch einmal massiv angezogen. In diesem Beitrag möchte ich euch meine ehrliche Einschätzung geben: Wo steht die Digitalisierung in der Buchhaltung wirklich? Was kann KI in der Buchhaltung heute leisten — und was (noch) nicht? Und vor allem: Was könnt ihr ganz konkret tun, um eure Kanzlei und eure Mandanten fit für die Zukunft zu machen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Digitalisierung ist längst Realität: Viele Prozesse in der Buchhaltung lassen sich bereits automatisieren – trotzdem gibt es in der Praxis noch große Unterschiede beim digitalen Reifegrad.
  • KI wird die Buchhaltung verändern: Aktuell kann KI noch keine qualitativ hochwertige Buchhaltung vollständig allein erstellen. Massenverarbeitung und verlässliche Kontrollmöglichkeiten bleiben zentrale Herausforderungen.
  • Abwarten ist keine Option: Wer digitale Prozesse nicht Schritt für Schritt weiterentwickelt, riskiert wachsenden Rückstand und verschwendet angesichts des Fachkräftemangels wertvolle Arbeitszeit.
  • Die Rolle der Buchhaltung verändert sich: Erfassungsarbeit nimmt ab, während Kontrolle, Qualitätssicherung, Bewertung, Beratung und die Betreuung digitaler Prozesse wichtiger werden.
  • Der Einstieg kann einfach sein: Mit dem anonymen Buchhaltungs-Check lässt sich für einzelne Mandanten herausfinden, welche Digitalisierungs- und Automatisierungsmöglichkeiten sinnvoll sind.

Digitale Buchhaltung: In der einen Kanzlei Standard, in der anderen Neuland

Seit meinen Anfängen in der Branche hat sich enorm viel getan: digitaler Belegaustausch, automatische Belegerkennung per OCR, elektronische Bankumsätze, Schnittstellen zwischen Vorsystemen und Finanzbuchhaltung, die E-Rechnung — die Liste der verfügbaren Werkzeuge ist lang.

Und trotzdem beobachte ich in der Praxis ein erstaunliches Gefälle: Lösungen, die seit Jahren auf dem Markt sind und in mancher Steuerkanzlei längst zum absoluten Standard gehören, sind in anderen Kanzleien bis heute nicht angekommen. Da werden immer noch Bankumsätze von Hand abgetippt, Belege in Pendelordnern hin- und hergefahren und Daten doppelt erfasst, die längst per Schnittstellendatei automatisch fließen könnten.

Das ist keine Frage der Kanzleigröße und auch keine Frage des Alters der Beteiligten. Es ist meistens eine Frage von Zeit, Prioritäten — und ehrlicherweise auch von Überforderung angesichts der schieren Menge an Möglichkeiten. Und genau dafür habe ich Verständnis.

KI in der Buchhaltung: Viel Bewegung, viel Lärm — und was wirklich dran ist

Was sich seit ein paar Monaten in unserer Branche tut, ist selbst für mich als Produktmanager, der sich täglich damit beschäftigt, kaum noch überschaubar. Künstliche Intelligenz ist in der Buchhaltung angekommen — zumindest in den Schlagzeilen, auf den Messen und in den Marketingversprechen. Gefühlt vergeht keine Woche ohne ein neues Tool, das die „vollautomatische Buchhaltung per KI" verspricht.

Ich kann mir gut vorstellen, dass man damit schnell überfordert ist. Und wenn man sich nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt, kann einem diese Entwicklung sogar richtig Angst machen: Werde ich noch gebraucht? Macht die KI meinen Job? Verpasse ich gerade den Anschluss?

Meine ehrliche Meinung dazu, nach vielen eigenen Tests und Gesprächen: Es wird aktuell unglaublich viel ausprobiert — aber eine qualitativ hochwertige Buchhaltung erstellt derzeit noch keine KI alleine. Und selbst dort, wo die Ergebnisse im Einzelfall gut sind, fehlt es an zwei entscheidenden Stellen:

  1. Massenverarbeitung: Was bei zehn Belegen im Demo-Szenario beeindruckt, muss in der Kanzlei mit tausenden Belegen pro Monat stabil, schnell und wirtschaftlich funktionieren. Davon sind viele Lösungen noch ein gutes Stück entfernt.
  2. Kontrollmöglichkeiten: Eine Buchhaltung, deren Ergebnisse ich nicht nachvollziehen, prüfen und korrigieren kann, ist im steuerlichen Umfeld schlicht nicht brauchbar. Verlässliche Kontroll- und Nachvollziehbarkeitsmechanismen sind Pflicht — und genau hier hakt es bei vielen KI-Ansätzen noch.

Das heißt nicht, dass KI in der Buchhaltung keine Rolle spielt — im Gegenteil. Sie wird die Branche verändern, und zwar tiefgreifend. Aber wer heute glaubt, er könne die Buchhaltung komplett einer KI überlassen und sich zurücklehnen, wird enttäuscht. Und wer glaubt, das Thema einfach aussitzen zu können, ebenfalls.

Automatisierung der Buchhaltung: Nicht aufhalten, sondern gestalten

Kommen wir zurück zum Kern: Die Digitalisierung und die Automatisierung der Buchhaltung sind nicht aufzuhalten — und sie sollten auch gar nicht aufgehalten werden. Sie nehmen uns genau die Arbeit ab, die ohnehin niemand gerne macht: das stumpfe Erfassen, das Abtippen, das Hin- und Herschieben von Papier.

Aber — und das ist mir wichtig — man sollte sich unbedingt aktiv mit diesen Themen beschäftigen. Denn in der Praxis gibt es nicht die eine Musterlösung. Es gibt immer wieder diese Punkte: Wenn dein Mandant so und so aufgestellt ist, dann würde ich es so lösen. Wenn er aber jenes Vorsystem oder diese Belegstruktur hat, dann eben etwas anders.

Selbst wer sich intensiv damit beschäftigt, verliert da schnell den Überblick. Und wer nicht alle Optionen kennt, für den wird es noch schwieriger. Deshalb noch einmal ganz deutlich: Das ist in keiner Weise ein Vorwurf. Ich verstehe jede Kanzlei, die angesichts der Vielfalt an Tools, Schnittstellen und Konstellationen erst einmal durchatmen muss.

Kopf in den Sand? Die Vogel-Strauß-Taktik wird teuer

Was ich allerdings nicht verstehe: wenn man sich mit der Thematik gar nicht auseinandersetzt. Wenn man den Vogel Strauß macht, den Kopf in den Sand steckt und hofft, dass sich das alles schon irgendwie von selbst regelt.

Ja, es wird sich regeln. Aber es wird schlimmer werden — für alle, die abwarten.

Denn während die einen Kanzleien ihre Prozesse Schritt für Schritt digitalisieren, ihre Mitarbeiter entlasten und ihren Mandanten moderne Zusammenarbeit bieten, wächst bei den anderen der Rückstand. Der Fachkräftemangel verschärft das Problem zusätzlich: Wer heute noch händisch erfasst, was längst automatisch laufen könnte, verschwendet die knappste Ressource der Branche — qualifizierte Arbeitszeit. Und die nächste Generation von Mandanten erwartet digitale Prozesse ganz selbstverständlich.

Die gute Nachricht: Es ist nicht zu spät. Niemand muss von heute auf morgen alles umkrempeln. Aber anfangen sollte man. Jetzt.

Der Buchhaltungs-Check: Euer anonymer Sparringspartner

Und genau deshalb habe ich ein Angebot an euch alle: Probiert doch einfach mal den Buchhaltungs-Check aus.

Ihr findet ihn auf raffirechnet.de in der Rubrik „Tools" oder direkt unter: 👉 www.raffirechnet.de/tools/buchhaltungs-check

So funktioniert es:

Ihr beantwortet einfach und vor allem anonym ein paar Fragen zu einem eurer Mandanten — es werden keine persönlichen Daten abgefragt.
Auf Basis eurer Antworten wird ein individueller Vorschlag erstellt: Was könnt ihr in diesem Mandat noch digitalisieren oder automatisieren? Was solltet ihr eventuell anders lösen?
Das Ergebnis könnt ihr euch als PDF ausgeben lassen und dann Schritt für Schritt abarbeiten.

Versteht den Buchhaltungs-Check als eine Art Sparringspartner: Er zeigt euch schnell auf, welche Optimierungsmöglichkeiten es für genau diese Mandanten-Konstellation gibt — ohne Verkaufsdruck, ohne Registrierung, ohne dass jemand mitliest.

Und wenn ihr das an der einen oder anderen Stelle ganz anders seht: Schreibt mir das gerne als Feedback! Hey — kein System ist perfekt und jedes kann noch optimiert werden. Aber seht bitte auch, worum es im Kern geht: erst einmal die Grundlagen zu schaffen. Also zum Beispiel keine Bankumsätze mehr abzutippen, mehr Schnittstellendateien zu nutzen, den Belegfluss zu digitalisieren — oder, oder, oder.

Wie gesagt: Es gibt verdammt viele Konstellationen da draußen. Und genau deswegen macht es keinen Sinn, den EINEN Weg zu beschreiben. Wäre zwar schön — und für mich als Produktmanager auch deutlich einfacher, euch das umzusetzen — aber so ist die Realität nun mal „noch" nicht.

Die Zukunft der Buchhaltung: Vom Erfassen zum Bewerten

Und nein: Angst vor der Veränderung solltet und müsst ihr nicht haben.

Was genau kommen wird und wann — das kann heute noch niemand seriös vorhersagen. Was aber passieren wird, und da bin ich mir sehr, sehr sicher: Die reine Erfassungsarbeit, also das klassische Buchen in der Buchhaltung, wird stark abnehmen. Diese Arbeit werden die Systeme mehr und mehr für euch übernehmen.

Euer Job verschiebt sich — und wird dadurch ehrlich gesagt spannender:

  • Kontrolle und Qualitätssicherung: Ihr prüft, was die Systeme vorschlagen, und greift dort ein, wo es fachlich nötig ist.
  • Bewertung und Beratung: Ihr interpretiert die Zahlen, erkennt Auffälligkeiten und beratet eure Mandanten auf einer viel besseren Datenbasis als je zuvor.
  • Einrichtung und Wartung der Systeme: Gerade am Anfang braucht jede Automatisierung jemanden, der sie sauber aufsetzt, Regeln pflegt und die Prozesse im Blick behält.
  • Kommunikationsschnittstelle zum Mandanten: Ihr werdet mehr denn je die zentrale Ansprechperson — diejenige, die zwischen Technik, Zahlen und Mensch übersetzt.

Die Buchhaltung stirbt also nicht. Sie wird erwachsen. Und wer die Werkzeuge beherrscht, statt sie zu fürchten, gehört zu den Gewinnern dieser Entwicklung.

Häufige Fragen zur Digitalisierung in der Buchhaltung (FAQ)

Fazit: Einfach mal machen

Also noch einmal meine Einladung an euch: Macht den Buchhaltungs-Check — er zeigt euch schnell auf, was ihr noch anders oder sogar besser machen könnt. Pro Mandant, anonym, mit PDF-Ergebnis zum Abarbeiten.

Die Digitalisierung in der Buchhaltung ist kein Sprint und kein Hexenwerk. Sie ist eine Reihe von machbaren Schritten — und der erste ist, sich ehrlich anzuschauen, wo man steht.

Und bei Fragen: Meldet euch einfach. Ich freue mich auf den Austausch — auch und gerade auf kritisches Feedback.

P.S. — Meldet euch gerne für den raffirechnet-Newsletter an, der euch jedes Mal (meistens montags) daran erinnert, dass ein neuer* FunctionMonday auf euch wartet.

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Raphael Weinelt Produktmanager hmd-software AG

Raphael Weinelt

Produktmanager | hmd-software AG

Raphael Weinelt ist Produktmanager in unserem Unternehmen und begleitet die Weiterentwicklung moderner Softwarelösungen für Steuerkanzleien, Unternehmen und Buchhaltungsservices. Er denkt ganzheitlich und verbindet strategischen Blick mit praxisnaher Umsetzung.

Sein besonderer Fokus liegt auf den aktuellen Entwicklungen rund um Automatisierung und digitale Prozesse. In seinen Beiträgen teilt er seine Perspektive auf zukunftsweisende Lösungen für die Branche.